Syngenta soll wieder an die Börse
Syngenta soll wieder an die Börse

Einer der größten Agrarchemiekonzerne soll wieder zurück an die Börse. Ob dies mit hoher Verschuldung und dem chinesischen Mutterkonzern funktioniert, ist fraglich.

Vor zwei Jahren wurde die Syngenta AG für 43 Milliarden Dollar durch den chinesischen Staatskonzern ChemChina übernommen. Seitdem hat sich im Schweizer Unternehmen vieles geändert. Syngenta wollte trotz der Übernahme immer Syngenta bleiben - dieses Motto konnte nicht wirklich eingehalten werden. Dazu kommt: Die chinesische Mutter hat den Agrarchemiekonzern ausgequetscht. Nur steckt er in den Vorbereitungen für einen Börsengang. Den möglicherweise größten in der Chemiebranche.

Börsengang bis 2022

In einem Interview mit der Nachrichtenagentur "Bloomberg" Ende Oktober dieses Jahres sagte der Vorstandschef Erik Fyrwald, es gebe mehrere Übernahmeziele, über die man im kommenden Jahr mehr hören werde. Man wolle die Position auf dem chinesischen Markt in den kommenden Jahren stärken. Dazu gehöre der Kauf von Saatgut- und Pflanzenschutzfirmen. Ein Teil der M&A-Aktivitäten könnte schon vor dem Börsengang stattfinden, ein anderer Teil später folgen, erklärte er. "Unsere Annahme ist, dass wir mit einigen Banken zusammenarbeiten, um uns auf einen IPO im nächsten Jahr vorzubereiten", schilderte Fyrwald. Bis spätestens 2022 will Syngenta an die Börse, das war Teil der Verkaufsvereinbarung mit ChemChina. Früher war das Unternehmen an der Schweizer Börse und in New York notiert. Fyrwald strebt für den geplanten Börsengang wieder eine Zweifach-Notierung an. Ob dies gleichzeitig oder schrittweise geschehe, wisse er noch nicht.

Spielball der chinesischen Mutter

Seit der Übernahme des chinesischen Staatskonzerns hat Syngenta finanziell massiv gelitten. War die finanzielle Lage früher als solide und vorbildlich, ist das Unternehmen heute hochverschuldet. Die Gründe? Investoren aus Asien holten sich Stück für Stück einen Teil ihrer Investitionen zurück. Laut "Handelszeitung" überwies sich der Mutterkonzern 2018 eine Sonderdividende in Höhe von 4,7 Milliarden Dollar, in diesem Jahr sind es 900 Millionen Dollar Dividende. Wie die Schweizer Zeitung berichtet, habe der langjährige Syngenta-Präsident Michel Demaré noch im Voraus Vertraute wissen lassen, dass er eine "Aushöhlung" des Unternehmens befürchtete. Ein Grund, weshalb ChemChina so viel Geld von Syngenta abzieht, ist die hohe Verschuldung des Mutterkonzerns in Höhe von 54 Milliarden Dollar. Aufgrund der Abschöpfungen durch den chinesischen Mutterkonzern bleiben dem Agrarunternehmen nur wenig Mittel, um beispielsweise in Forschung und Entwicklung zu investieren. Jüngst hatte die Ratingagentur Moody's die Bonitätsnote von Syngenta auf Ba2 gesetzt. Syngenta gilt als spekulative Anlage.

Schwere Aufgabe für den CEO

Für den CEO Fyrwald ist es keine leichte Aufgabe, das angeschlagene Unternehmen mit den geringen finanziellen Mitteln, die die Chinesen zur Verfügung stellen, auf Vordermann zu bringen. Die aktuelle Situation auf den Märkten macht das Unterfangen nicht leichter. Eine bessere Aufstellung der finanziellen Situation scheint für einen möglichen Börsengang aber unabdingbar. Zudem sieht sich Syngenta immer wieder wieder mit Umweltschützern konfrontiert, die auf umstrittene Pestizide des Konzerns hinweisen. Ein Thema, auf das auch potenzielle Investoren immer mehr Wert legen.

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